Bio-Treppe: Was eine neue Gasheizung ab 2029 wirklich kostet
Bio-Treppe nach § 43 GModG: Stufen, Kosten, Ausnahmen. Mit Rechenbeispiel für ein Mehrfamilienhaus und den Wegen, die Pflicht ohne Biomethan zu erfüllen.
Die neue Gasheizung ist eingebaut, die Rechnung bezahlt, das Thema scheint für zwanzig Jahre erledigt. Dann kommt der 1. Januar 2029 – und das Gesetz verlangt etwas, das mit dem Kessel im Keller nichts zu tun hat: Ein Teil der Wärme muss ab jetzt aus Biomethan oder anderen klimaneutralen Brennstoffen stammen. Und die kosten mehr als Erdgas.
Das ist die Bio-Treppe. Sie steht seit dem 29. Juli 2026 in § 43 des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) und betrifft jeden, der jetzt noch eine Gas- oder Ölheizung neu einbaut. Wir zeigen, was genau gilt, was sie ein Mehrfamilienhaus kostet und wie sich die Pflicht erfüllen lässt, ohne Biomethan zu kaufen. Erst die Fakten, dann unsere Einordnung.
Die Fakten: Was § 43 GModG vorschreibt
Wen die Bio-Treppe trifft
Die Pflicht gilt für Gas-, Öl- und Flüssiggasheizungen, die nach dem 29. Juli 2026 in ein bestehendes Gebäude neu eingebaut werden. Wer seine vorhandene Heizung weiterbetreibt, ist nicht betroffen. Verpflichtet ist der Eigentümer – oder, wenn jemand anderes die Anlage betreibt, der Betreiber. Das ist zum Beispiel beim Wärme-Contracting der Fall.
Die vier Stufen
| Ab | Mindestanteil klimaneutraler Brennstoffe |
|---|---|
| 1. Januar 2029 | 10 % der bereitgestellten Wärme |
| 1. Januar 2030 | 15 % |
| 1. Januar 2035 | 30 % |
| 1. Januar 2040 | 60 % |
Anrechenbar sind ausschließlich Biomethan, Bioöl, biogenes Flüssiggas sowie Wasserstoff und daraus hergestellte Brennstoffe. Für eine Gasheizung heißt das praktisch: Biomethan, eingekauft über einen entsprechenden Tarif beim Gaslieferanten. Die Stufen gelten unabhängig davon, wann nach dem Stichtag die Heizung eingebaut wurde. Eine 100-Prozent-Stufe für 2045 enthält § 43 nicht – das Ziel „vollständig klimaneutral ab 2045“ soll über eine eigene Quote für die Gaslieferanten erreicht werden (dazu unten).
Wenn die alte Heizung plötzlich ausfällt
Für den Havariefall gibt es eine Übergangsregel: Wird die neue Gasheizung wegen eines irreparablen Ausfalls im Jahr 2028 eingebaut, greift die Pflicht erst zwölf Monate nach dem Einbau. Fällt die alte Anlage ab 2029 aus, gilt für zwölf Monate die Stufe weiter, die zum Zeitpunkt des Ausfalls maßgeblich war.
Drei Wege, die Pflicht ohne Biomethan zu erfüllen
Das Gesetz nennt drei Alternativen zum Kauf klimaneutraler Brennstoffe:
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Wärmepumpen-Hybridheizung: Die Pflicht gilt als erfüllt, wenn die Wärmepumpe ausreichend groß ausgelegt ist – bei gleichzeitigem Betrieb mit dem Kessel mindestens 30 % von dessen Leistung (nach Norm gemessen), bei abwechselndem Betrieb mindestens 40 %. Diese Option ist nicht befristet. Bei Gebäuden ab sechs Wohnungen muss ab 2040 zusätzlich nachgewiesen werden, welchen Anteil der Wärme die Wärmepumpe tatsächlich liefert.
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Solarthermie: Bis Ende 2034 erfüllt eine thermische Solaranlage die Pflicht – bei Mehrfamilienhäusern mit mindestens 0,03 m² Kollektorfläche je m² Nutzfläche.
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Lüftung mit Wärmerückgewinnung: Ebenfalls bis Ende 2034, wenn die Anlage das ganze Gebäude versorgt, mindestens 73 % der Wärme zurückgewinnt und eine Leistungszahl von mindestens 10 erreicht.
Bußgeld, Grüngasquote, Mieterschutz
Wer die Bio-Treppe nicht einhält, handelt ordnungswidrig; das Bußgeld kann bis zu 5.000 Euro betragen. In Härtefällen ist auf Antrag eine Befreiung möglich.
Parallel soll eine Grüngasquote die Lieferanten verpflichten, einen wachsenden Anteil grüner Gase ins Netz zu bringen. Das Gesetz dazu muss die Bundesregierung bis zum 1. Dezember 2026 vorlegen. Nach den Eckpunkten der Koalition startet die Quote 2028 mit rund 1 % und soll auf die Bio-Treppe angerechnet werden; wie genau, regelt erst das neue Gesetz.
Für Mietwohnungen gilt nach § 5a CO2-Kostenaufteilungsgesetz: Bei neu eingebauten Gas- und Ölheizungen teilen sich Vermieter und Mieter ab 2028 die CO₂-Kosten und Gasnetzentgelte hälftig, ab 2029 auch die Kosten der Pflicht-Brennstoffe – begrenzt auf einen Anteil von 30 % am Brennstoff.
Was die Bio-Treppe kostet: Ein Rechenbeispiel
Biomethan ist deutlich teurer als Erdgas. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) beziffert den Abstand für 2026 auf knapp 6 Cent je kWh, inklusive Steuern und Abgaben. Andere Quellen nennen kleinere und größere Abstände; die Spanne ist groß, weil es für Biomethan noch keinen breiten Endkundenmarkt gibt.
Unser Beispiel: ein älteres Mehrfamilienhaus mit 12 Wohnungen und 180.000 kWh Gasverbrauch im Jahr, das 2027 eine neue Gasheizung bekommt. Wir rechnen mit einem Biomethan-Aufpreis von 5 Cent netto je kWh (knapp 6 Cent brutto) und 2 % Preissteigerung pro Jahr.
| Jahr | Pflichtanteil | Aufpreis Haus / Jahr | je Wohnung / Jahr |
|---|---|---|---|
| 2029 | 10 % | rund 1.140 € | rund 95 € |
| 2030 | 15 % | rund 1.740 € | rund 145 € |
| 2035 | 30 % | rund 3.840 € | rund 320 € |
| 2040 | 60 % | rund 8.480 € | rund 710 € |
Aufpreis für Biomethan gegenüber Erdgas, brutto, nominal, bei gleichbleibendem Verbrauch; vor Abzug der CO₂-Entlastung. Szenario von econeo Energy, keine Preisprognose.
Ein Teil des Aufpreises kommt über den CO₂-Preis zurück, denn auf den Bio-Anteil fällt keiner an. Beim heutigen CO₂-Preis von 55 bis 65 Euro je Tonne gleicht das rund ein Fünftel des Aufpreises aus, bei 100 Euro je Tonne gut ein Drittel. Die tatsächlichen Mehrkosten liegen also unter den Werten der Tabelle. Gleichzeitig wird der fossile Rest mit jedem Euro CO₂-Preis teurer, und die Gasnetzentgelte steigen (mehr dazu in unserem Beitrag zur Gasnetz-Stilllegung). Unterm Strich wird Gaswärme mit jeder Stufe teurer.
Das Fraunhofer ISE kommt in einer Kurzstudie vom Juni 2026 (im Auftrag des Energieversorgers MVV) zu einem ähnlichen Ergebnis: Vergleicht man beide Systeme jeweils unter günstigen Bedingungen, liegt der Gaskessel mit Bio-Treppe in einem Mehrfamilienhaus mit 12 Wohnungen über 20 Jahre rund ein Drittel über den Kosten einer Wärmepumpe. Bis 2035 lässt sich der zusätzliche Biomethanbedarf laut Studie aus heimischer Produktion decken; danach geht sie davon aus, dass die Pflicht nur mit Importen oder Wasserstoff zu erfüllen ist – mit entsprechendem Preisrisiko.
Unsere Einordnung
Für Eigentümerinnen und Eigentümer
Die Bio-Treppe ist eine Kostenfalle mit Zeitverzögerung. In den ersten Jahren nach dem Einbau passiert nichts, und die ersten Stufen sind moderat. Teuer wird es genau dann, wenn der Kessel in der Mitte seiner Lebensdauer ist – eine 2027 eingebaute Heizung erlebt die 60-Prozent-Stufe mit hoher Wahrscheinlichkeit noch. Wer heute eine Gasheizung kauft, kauft also nicht nur ein Gerät, sondern auch einen Brennstoff, dessen Preis in zehn Jahren niemand kennt.
Das Gesetz hat den Ausweg gleich eingebaut, und er schneidet in den gängigen Vergleichsrechnungen in der Regel auch wirtschaftlich am besten ab: die Wärmepumpe. Wer auf einen Gaskessel für die kältesten Tage nicht verzichten will, kann ihn mit einer ausreichend groß ausgelegten Wärmepumpe kombinieren – dann gilt die Bio-Treppe über die Wärmepumpe als erfüllt, und der Kessel läuft nur noch selten. So planen wir bei econeo Energy: Die Wärmepumpen liefern mindestens 80 % der Jahreswärme, ein Spitzenlastkessel höchstens 20 %. Damit liegt der Wärmepumpenanteil auch über der 60-Prozent-Stufe ab 2040.
Für Eigentümergemeinschaften heißt das: Legen Sie keinem Beschluss einen Angebotsvergleich zugrunde, der nur Anschaffungskosten gegenüberstellt. Lassen Sie sich bei einer Gasheizung die Bio-Treppe, die CO₂-Kosten und die Netzentgelte über mindestens 15 Jahre vorrechnen – und bei einer Wärmepumpe die Stromkosten über denselben Zeitraum. Erst dieser Vergleich ist ehrlich.
Für Mieterinnen und Mieter
Die gute Nachricht: Bei neu eingebauten Gasheizungen trägt der Vermieter künftig die Hälfte der Bio-Kosten. Die weniger gute: Die andere Hälfte landet weiter in der Nebenkostenabrechnung. Und weil die Teilung nur bis zu einem Bio-Anteil von 30 % greift, tragen Mieter ab der 60-Prozent-Stufe 2040 den darüber liegenden Teil wieder allein. Wer vor einer Anmietung steht oder erfährt, dass im Haus die Heizung getauscht wird, sollte fragen, was eingebaut wird. Die Antwort sagt viel über die Nebenkosten der nächsten 20 Jahre.
Vier Fragen vor dem Heizungstausch
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Was kostet die Gasvariante inklusive Bio-Treppe, CO₂-Preis und Netzentgelten über 15 bis 20 Jahre?
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Was sagt der kommunale Wärmeplan für unsere Straße – Wärmenetz, dezentrale Wärmepumpe oder Gas?
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Reicht eine Wärmepumpe allein, oder ist ein Hybrid mit kleinem Spitzenlastkessel sinnvoller?
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Wollen wir investieren und betreiben – oder Wärme im Contracting beziehen?
Häufige Fragen zur Bio-Treppe
Gilt die Bio-Treppe auch für meine bestehende Gasheizung?
Nein. Sie gilt nur für Gas-, Öl- und Flüssiggasheizungen, die nach dem 29. Juli 2026 in ein bestehendes Gebäude neu eingebaut werden. Bestehende Heizungen dürfen ohne Bio-Pflicht weiterlaufen.
Ab wann muss ich Biomethan einsetzen?
Ab dem 1. Januar 2029 mit 10 %, ab 2030 mit 15 %, ab 2035 mit 30 % und ab 2040 mit 60 % der bereitgestellten Wärme. Bei einem Einbau nach Heizungsausfall gelten Übergangsfristen von zwölf Monaten.
Was kostet die Bio-Treppe?
Das hängt vom Biomethanpreis ab, der heute stark schwankt. In unserem Beispiel mit 12 Wohnungen steigt der Aufpreis von rund 95 Euro je Wohnung und Jahr (2029) auf rund 710 Euro (2040), bevor die CO₂-Entlastung auf den Bio-Anteil abgezogen wird.
Erfüllt eine Hybridheizung mit Wärmepumpe die Bio-Treppe?
Ja, wenn die Wärmepumpe ausreichend groß ist: mindestens 30 % der Kesselleistung bei gleichzeitigem Betrieb, 40 % bei abwechselndem Betrieb. Biomethan muss dann nicht gekauft werden.
Wer zahlt die Bio-Treppe in vermieteten Wohnungen?
Ab 2029 teilen sich Vermieter und Mieter die Kosten der Pflicht-Brennstoffe hälftig, begrenzt auf einen Anteil von 30 % am Brennstoff. Das gilt nur bei neu eingebauten Heizungen.
Sprechen Sie mit uns
Sie stehen vor der Entscheidung, welche Heizung in Ihr Gebäude kommt? Wir rechnen Ihnen die Varianten ehrlich gegeneinander – mit Bio-Treppe, CO₂-Preis und Netzentgelten. Kontakt zu econeo Energy
Über econeo Energy: econeo Energy plant, finanziert, baut und betreibt die Wärme- und Stromversorgung von Mehrfamilienhäusern, Quartieren und Gewerbeimmobilien – als Wärmeerzeuger fast ausschließlich Wärmepumpen. econeo Energy ist Teil der econeo Invest Gruppe – über 250 Mitarbeitende, rund 200 Millionen Euro Umsatz und 20 Jahre Unternehmenshistorie.
Quellen
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Nexvyra: § 43 GModG – Stufen, Erfüllungswege, Havarieregel, Bußgeld (Stand 30.08.2026)
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Fachverband Biogas: FAQ Bio-Treppe und Grüngasquote (04.03.2026, dort dena 2026)
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Fraunhofer ISE: Kurzstudie Vergleich Wärmeversorgung (18.06.2026, im Auftrag der MVV)
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Stiftung Umweltenergierecht: Bio-Treppe und Grüngasquote (04/2026)
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Deutscher Bundestag: CO₂-Preis soll 2027 stabil gehalten werden
Stand: 27. September 2026. Dieser Beitrag gibt die Rechtslage nach unserem Verständnis wieder und ersetzt keine Rechts- oder Energieberatung im Einzelfall. Die Beispielrechnung ist ein Szenario von econeo Energy mit den genannten Annahmen und keine Preisprognose.
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