Was Gas bis 2045 kostet: Unsere Annahmen offengelegt
Woraus der Gaspreis besteht, wie er sich seit 2020 entwickelt hat und mit welchen Annahmen econeo Energy eine neue Gasheizung bis 2045 rechnet. Mit Pfad in Zahlen.
Jede Vergleichsrechnung „neue Gasheizung oder Wärmepumpe“ steht und fällt mit ihren Annahmen. Wer nur das Ergebnis sieht, kann es nicht prüfen. Deshalb legen wir hier offen, wie sich der Gaspreis bisher entwickelt hat, woraus er besteht und mit welchen Werten econeo Energy in Angeboten und Eigentümer-Unterlagen rechnet. Wie das im Beispiel eines Mehrfamilienhauses aussieht, zeigt unsere Entscheidungshilfe zur neuen Gasheizung.
Wo der Gaspreis heute steht
Im zweiten Halbjahr 2020, vor der Energiekrise, zahlten Haushalte im Schnitt 6,12 Cent je Kilowattstunde. Im zweiten Halbjahr 2025 waren es 12,23 Cent, also rund doppelt so viel. Zuletzt, im ersten Halbjahr 2026, lag der Wert bei 11,58 Cent (alle Werte brutto, Destatis).
| Preis je kWh Gas, brutto | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Haushalte, 2. Halbjahr 2020 | 6,12 ct | Destatis |
| Haushalte, 2. Halbjahr 2025 | 12,23 ct | Destatis |
| Haushalte, 1. Halbjahr 2026 | 11,58 ct | Destatis |
| Mehrfamilienhaus, Durchschnitt Januar bis August 2026 | 11,17 ct (rund 9,4 ct netto) | BDEW-Gaspreisanalyse 08/2026 |
| Bestandskunden, Durchschnitt | 11,8 ct | Verivox, Stand 28.09.2026 |
| Neukundentarife | rund 12 ct | Verivox und stromauskunft.de, Stand September 2026 |
| Grundversorgung, Durchschnitt | 13,6 ct | Verivox, Stand 28.09.2026 |
Auffällig ist, dass Neukunden Ende September 2026 mehr zahlen als der Durchschnitt der Bestandskunden. Ein günstiger Vertrag von heute gilt ohnehin nur zwei oder drei Jahre. Eine neue Heizung läuft zwanzig.
Seit dem 1. April 2024 gilt auf Gas wieder der volle Umsatzsteuersatz von 19 %. Die Gasspeicherumlage von zuletzt 0,289 Cent je Kilowattstunde ist Ende 2025 entfallen.
Woraus der Preis besteht
Für unsere Rechnung zerlegen wir den Nettopreis von 9,4 Cent je Kilowattstunde für ein Mehrfamilienhaus in drei Bausteine. Sie entwickeln sich unterschiedlich, deshalb planen wir sie getrennt:
| Baustein | Startwert 2026, netto | Unsere Annahme (Standard) | vorsichtige Variante |
|---|---|---|---|
| Erdgas, Vertrieb und Energiesteuer | 5,91 ct | +2 % pro Jahr | konstant |
| Gasnetzentgelt | 2,18 ct | +8 % pro Jahr | +8 % pro Jahr |
| CO₂-Preis | 1,31 ct (65 €/t) | 95 €/t 2028, 130 €/t 2029, 160 €/t 2030, danach +2,38 % pro Jahr | 130 €/t bis 2030, danach +2,38 % pro Jahr |
| Aufpreis Biomethan (Bio-Treppe) | 5,0 ct je kWh Biomethan | +2 % pro Jahr | wie Standard |
Für ein konkretes Gebäude übernehmen wir die Startwerte aus der Abrechnung des Kunden und das Netzentgelt aus dem Preisblatt des zuständigen Netzbetreibers.
Netzentgelte: der Baustein mit dem größten Hebel
2025 sind die Gasnetzentgelte im Schnitt um rund 23 % gestiegen (Verivox), 2026 für Haushalte noch einmal um 10 bis 11 %, in einzelnen Netzen um bis zu 77 % (ZfK). Für ein typisches Mehrfamilienhaus stieg das Netzentgelt laut BDEW von 1,60 Cent (2024) auf 2,20 Cent je Kilowattstunde (2026), zusammen also um fast 40 %.
Der Grund ist einfach: Die Kosten des Netzes bleiben, die Kunden werden weniger. Zusätzlich erlaubt die Bundesnetzagentur seit 2025, die Leitungen schneller abzuschreiben, in der Regel bis 2045 (Festlegung KANU 2.0). Mehr dazu steht in unserem Beitrag zur Gasnetz-Stilllegung.
Wir rechnen mit 8 % Anstieg pro Jahr. Das liegt unter dem, was 2025 und 2026 tatsächlich passiert ist, und ergibt 2045 nominal rund 9,4 Cent je Kilowattstunde, in Preisen von 2026 etwa 6,5 Cent. Studien kommen zu folgenden Ergebnissen:
| Studie | Ergebnis bis 2045 | Einordnung |
|---|---|---|
| Fraunhofer ISE, Juni 2026 (für MVV) | real 2,2 ct konstant bis 8 ct | unser Pfad liegt innerhalb dieser Spanne |
| Fraunhofer IFAM, Dezember 2025 (für das Umweltinstitut München) | Modellnetz mit rund 30.000 Haushalten: von 2,33 ct auf rund 22 ct | oberes Extrem, unter der Annahme, dass der Gasbedarf bis 2045 auf null fällt |
| Agora Energiewende und BET, 2023 | 9- bis 16-fache Netzentgelte bis 2044 | Größenordnung wie IFAM, noch vor KANU 2.0 |
Studienwerte sind reale Preise, unser Pfad ist nominal. Beides sollte man nicht ohne diesen Hinweis nebeneinanderstellen.
CO₂-Preis: vom Festpreis zum Markt
| Jahr | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 | 2027 | ab 2028 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| € je Tonne | 25 | 30 | 30 | 45 | 55 | 55–65 | 55–65 (geplant) | EU-ETS 2 |
Bis 2027 legt der Staat den CO₂-Preis fest. Für 2026 gilt ein Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne; bei der ersten Versteigerung im Juli 2026 wurde der Höchstwert erreicht. Für 2027 soll derselbe Korridor gelten, der Gesetzentwurf ist im Bundestag in erster Lesung beraten (24.09.2026). Ab 2028 soll der europäische Emissionshandel ETS 2 den Preis am Markt bilden.
Wie hoch er dann liegt, weiß niemand. Die Literatur nennt für 2030 Werte zwischen 48 und 350 Euro je Tonne (Übersicht EWI Köln 2025). Wir rechnen mit 160 Euro im Jahr 2030, in der vorsichtigen Variante mit 130 Euro. Umgerechnet auf die Kilowattstunde nutzen wir 0,201 kg CO₂ je kWh Erdgas (Umweltbundesamt).
Die Bio-Treppe: nur für neue Gasheizungen
Wer nach dem 29. Juli 2026 eine Gasheizung in ein bestehendes Gebäude einbaut, muss einen wachsenden Anteil klimaneutraler Brennstoffe einsetzen: 10 % ab 2029, 15 % ab 2030, 30 % ab 2035 und 60 % ab 2040 (§ 43 GModG). Was das im Detail bedeutet, steht in unserem Beitrag zur Bio-Treppe.
Biomethan kostet laut dena rund 12,4 Cent je Kilowattstunde brutto, Erdgas rund 6,5 Cent (Stand März 2026, über den Fachverband Biogas). Wir rechnen mit einem Aufpreis von 5,0 Cent netto je Kilowattstunde Biomethan, der jährlich um 2 % steigt. Auf den Bio-Anteil fällt bei Nachhaltigkeitsnachweis kein CO₂-Preis an.
Der Pfad in Zahlen
Gaspreis je Kilowattstunde für eine neue Gasheizung im Mehrfamilienhaus, in Cent, netto und nominal, ohne Grund- und Messpreis:
| Baustein | 2026 | 2027 | 2028 | 2029 | 2030 | 2035 | 2040 | 2045 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Erdgas, Vertrieb, Steuer | 5,91 | 6,03 | 6,15 | 6,28 | 6,40 | 7,07 | 7,80 | 8,61 |
| Gasnetzentgelt | 2,18 | 2,35 | 2,54 | 2,75 | 2,97 | 4,36 | 6,40 | 9,41 |
| CO₂-Preis (€/t) | 65 | 65 | 95 | 130 | 160 | 180 | 202 | 228 |
| CO₂-Kosten | 1,31 | 1,31 | 1,91 | 2,35 | 2,73 | 2,53 | 1,63 | 1,83 |
| Bio-Anteil | 0 % | 0 % | 0 % | 10 % | 15 % | 30 % | 60 % | 60 % |
| Aufpreis Bio-Treppe | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,53 | 0,81 | 1,79 | 3,96 | 4,37 |
| Neue Gasheizung, Standard | 9,40 | 9,69 | 10,60 | 11,90 | 12,91 | 15,75 | 19,79 | 24,22 |
| Neue Gasheizung, vorsichtig | 9,40 | 9,57 | 10,20 | 11,15 | 11,91 | 14,12 | 17,60 | 21,18 |
| Bestehende Gasheizung | 9,40 | 9,69 | 10,60 | 11,63 | 12,58 | 15,04 | 18,27 | 22,60 |
Die bestehende Gasheizung, eingebaut vor dem 29. Juli 2026, trägt keine Bio-Treppe, dafür den vollen CO₂-Preis auf den gesamten Brennstoff. Beide Zeilen folgen den Standardannahmen.
Bis 2030 treibt vor allem der CO₂-Preis den Anstieg: Er wächst von 1,31 auf 2,73 Cent je Kilowattstunde, dazu kommt der Einstieg in die Bio-Treppe. Nach 2035 übernimmt das Netzentgelt, das von 2,18 Cent (2026) auf 9,41 Cent (2045) steigt. Ab 2040 fällt auf 60 % des Brennstoffs kein CO₂-Preis mehr an. Der Aufpreis für Biomethan ist aber höher als diese Ersparnis.
Was das für Vermieter und Mieter heißt
Bei Gasheizungen, die nach dem 29. Juli 2026 eingebaut werden, tragen Vermieter ab 2028 die Hälfte der CO₂-Kosten und der Gasnetzentgelte. Ab 2029 kommt die Hälfte der Kosten für den Pflichtanteil klimaneutraler Brennstoffe hinzu, begrenzt auf einen Anteil von 30 % am Brennstoff (§ 5a CO2KostAufG). Diese Anteile lassen sich nicht auf die Miete umlegen.
Der Rechtsrahmen
| Regelung | Inhalt | Stand |
|---|---|---|
| KANU 2.0 (Bundesnetzagentur) | schnellere Abschreibung der Gasnetze, in der Regel bis 2045 | festgelegt 09/2024, wirksam ab 2025 |
| BEHG und EU-ETS 2 | nationaler CO₂-Preis 55–65 €/t in 2026; ab 2028 Marktpreis im ETS 2 | Korridor 2027 im Gesetzgebungsverfahren |
| § 43 GModG (Bio-Treppe) | Pflichtanteil klimaneutraler Brennstoffe für neue Gasheizungen: 10 / 15 / 30 / 60 % | in Kraft seit 29.07.2026 |
| § 42a GModG (Grüngasquote) | verpflichtet die Bundesregierung, bis 1. Dezember 2026 ein Gesetz für eine Quote der Gaslieferanten vorzulegen; nach den Eckpunkten der Koalition Start 2028 mit rund 1 % | noch nicht beschlossen |
| § 5a CO2KostAufG | hälftige Teilung zwischen Vermieter und Mieter bei neuen Gasheizungen | ab 2028 bzw. 2029 |
| EnWG-Novelle (Gaspaket) | Regeln für die Stilllegung von Gasverteilnetzen, mit mindestens zehn Jahren Vorlauf | Gesetzentwurf |
Alle Planwerte in diesem Beitrag sind Szenarien von econeo Energy und keine Preisprognose. Gesetz sind nur die Bio-Treppe und die Kostenteilung nach § 5a; der Anstieg der Netzentgelte und der CO₂-Pfad sind unsere Annahmen. Für Ihr Objekt rechnen wir das mit den tatsächlichen Werten durch, kostenlos und unverbindlich.
Quellen
- Destatis: Erdgas- und Strom-Durchschnittspreise
- Destatis: Pressemitteilung zu den Gaspreisen im 1. Halbjahr 2026
- BDEW-Gaspreisanalyse 08/2026
- Gaspreise für Neukunden, Bestandskunden und Grundversorgung (Verivox-Daten)
- stromauskunft.de: Gaspreise in Deutschland
- Verivox: Gasnetzentgelte zum Jahreswechsel 2025
- ZfK: Aufwärtstrend bei Gasnetzentgelten 2026
- Bundesnetzagentur: Festlegung KANU 2.0
- Fraunhofer ISE: Kurzstudie Vergleich Wärmeversorgung (Juni 2026)
- ZfK: Gasnetze stilllegen, frühe Planung spart Milliarden (Fraunhofer IFAM)
- Agora Energiewende: Gasverteilnetze (2023)
- Deutscher Bundestag: Brennstoffemissionshandelsgesetz, 1. Lesung
- EWI Köln: Preispfade im EU-ETS 2
- Fachverband Biogas: FAQ Bio-Treppe und Grüngasquote (dena-Werte)
- § 43 GModG und § 42a GModG
- § 5a CO2KostAufG
- Deutscher Bundestag: EnWG-Novelle Gaspaket
Häufige Fragen
- Wie stark steigt der Gaspreis für eine neue Gasheizung bis 2030?
- In unserem Standardszenario von 9,4 auf rund 12,9 Cent je Kilowattstunde netto, also um etwa 37 Prozent. In der vorsichtigen Variante mit konstantem Erdgaspreis und 130 Euro je Tonne CO₂ sind es rund 11,9 Cent. Beides sind Szenarien, keine Prognose.
- Warum steigen die Gasnetzentgelte?
- Die Kosten des Gasnetzes bleiben weitgehend gleich, verteilen sich aber auf immer weniger Kunden, weil Gebäude auf andere Heizungen umsteigen. Außerdem dürfen die Netzbetreiber ihre Leitungen seit 2025 schneller abschreiben, in der Regel bis 2045 (Festlegung KANU 2.0 der Bundesnetzagentur).
- Gilt der höhere Preis auch für meine bestehende Gasheizung?
- Netzentgelt und CO₂-Preis steigen für alle Gaskunden. Die Bio-Treppe gilt dagegen nur für Gasheizungen, die nach dem 29. Juli 2026 neu eingebaut werden. In unserem Szenario liegt eine bestehende Gasheizung deshalb 2030 bei rund 12,6 statt 12,9 Cent je Kilowattstunde.
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